Wie aus dem Grubenbau ein Lebenswerk wurde

Von der Güllegrube zur Großbaustelle

Anpacken, organisieren, bestehen:

Wer mit offenem Visier arbeitet, selbst mitanpackt und nie aufhört, dazuzulernen, schafft oft mehr als nur ein funktionierendes Unternehmen. Er prägt eine Haltung, die bleibt – und Bauwerke, die über viele Jahrzehnte bestehen. Ob 170 Güllegruben in einem Jahr oder der Rohbau für den Sportcampus in Grassau: Bei Posch Bau in Nußdorf bei Traunstein heißt es seit über 50 Jahren: “Das kriegen wir hin.”

Das Unternehmen aus dem Chiemgau hat sich stetig weiterentwickelt – vom landwirtschaftlichen Bauen über Stall- und Zweckbauten hin zum schlüsselfertigen Bauen, das heute den Schwerpunkt des Geschäfts ausmacht.

Im Gespräch mit den drei Geschäftsführern Andreas Niederbuchner, Bernhard Posch und Hans Hofmeister sowie Bauleiter Florian Sturma wird deutlich, wie sich das Unternehmen seinen Weg erarbeitet hat, was es von anderen unterscheidet und warum dort bis heute vieles ineinandergreift. „Wir sind die Ersten und die Letzten auf der Baustelle", bringt es Andreas Niederbuchner auf den Punkt. „Humus weg, Humus wieder hin."

Prägend für das Unternehmen war von Anfang an die Bereitschaft, neue Aufgaben nicht nur anzunehmen, sondern in großem Maßstab umzusetzen. Eine wichtige Rolle spielten dabei in den 70er- und 80er-Jahren die Güllegruben – oder, wie Bernhard Posch es mit einem Schmunzeln ausdrückt: „Stahlbetonrundbehälter, das klingt schöner."

In Spitzenzeiten baute der Seniorchef Stefan Posch 170 dieser Behälter in nur einem Jahr. „Zum Glück hatte er damals wie heute ein super Team an seiner Seite", erinnert sich Hans Hofmeister. „Das Abwickeln der Aufträge – und nebenbei ist die Baufirma ja auch noch gelaufen.", ergänzt Bernhard Posch. Bis heute steht diese Episode für eine Schaffenskraft, die den Betrieb früh geprägt hat: anpacken, organisieren und mit dem wachsen, was gerade nachgefragt wird.

Als in den 90er Jahren die Förderphase für landwirtschaftliche Bauten auslief, stellte Posch Bau die Weichen neu. „Da hat unser Seniorchef gesagt: Wir brauchen ein zusätzliches Standbein“, erinnert sich Hans Hofmeister. 1998 realisierten Stefan Posch und Hans Hofmeister – bis heute als Maurermeister und Bautechniker im Betrieb – gemeinsam mit dem damaligen Team die erste schlüsselfertige Baustelle.

Was das Unternehmen auszeichnet, ist die Kombination aus Schlüsselfertigbau und eigener Rohbauabteilung. „Von zehn Baufirmen machen das vielleicht zwei oder drei", schätzt Andreas Niederbuchner. „Und wir sind eine davon."

Diese Aufstellung ermöglicht es, Projekte von Anfang bis Ende aus einer Hand zu betreuen – vom Einfamilienhaus bis zum Großprojekt. „Der Schlüsselfertigbau hat das Unternehmen dahin geführt, dass bereits im Rohbau ein extrem hoher Qualitätsstandard erreicht wird, um auch am Ende das perfekte Ergebnis für die Bauherrn zu erzielen.“

Das Erfolgsrezept? Organisation und offene Kommunikation. „Das habe ich noch beim Seniorchef gelernt", betont Hans Hofmeister. „Schlüsselfertig bauen bedeutet Organisation von vorne bis hinten.“ Wenn es gut organisiert sei, könne man brutal viel gut machen – oder eben auch nicht. Entscheidend sei auf der Baustelle vor allem eines: Ehrlichkeit und das Miteinander. „Der Senior-Chef hat mir immer gesagt: Wenn mal was schiefgeht, sag es einfach, wir bereinigen das zusammen." Je länger man etwas verheimliche, desto größer werde der Aufwand – und die Kosten. Eine Philosophie, die sich durch alle Ebenen des Unternehmens zieht.

Von der Nische zum Komplettanbieter

Florian Sturma, der 2013 als Quereinsteiger mit Bautechniker- und Zimmerermeister-Ausbildung zu Posch Bau kam, bestätigt diese Kultur aus der Perspektive der Bauleitung. Schon während seiner Meisterzeit nutzte er Ferien, um im Unternehmen mitzuarbeiten – aus Interesse, wie er sagt, nicht aus Pflicht. Heute ist er als Bauleiter eine wichtige Schnittstelle zwischen Baustelle, Kunden und Team. „Hier spielt sich keiner als Boss auf”, beschreibt er die Atmosphäre. “Wenn auf der Baustelle kurzfristig Unterstützung gebraucht wird, packen auch die Chefs selber mit an."

Für den Bauleiter ist der Umgang mit Menschen die wichtigste Fähigkeit in seinem Beruf. „Ich hab schon Leute auf dem Bau erlebt, die sind total kundenorientiert, aber mit Kollegen schwierig – oder umgekehrt", erklärt er. Bei Posch Bau scheint beides zu funktionieren: Kunden rufen auch Jahre nach Fertigstellung noch an, wenn sie eine Frage rund ums Haus haben. „Das spricht für die Vertrauensbasis gegenüber der kompletten Firma." Denn am Ende gehe es nicht nur ums Arbeiten und Geldverdienen – man ermögliche Menschen das Bauen und damit ihre Träume. „Wir machen doch relativ viele Baustellen, zum Teil auch große und das im eher kleinen Team. Somit sind Chefs und Bauleiter auch selber direkt am Kunden.“

Bei uns zählt

„Hier spielt sich keiner als Boss auf“:

Wie bei Posch Bau miteinander gearbeitet wird

Auch was das Thema “Nachhaltigkeit im Bau” angeht, hat Posch Bau eine klare Haltung.

„Unsere Gebäude stehen länger als ein Leben lang. „Wenn du baust, das soll für 100 Jahre gut stehen”, bringt es Bernhard Posch auf den Punkt. Im Massivbau sieht das Team klare Vorteile.

„Wenn du dir die Häuser aus der Gründerzeit in den großen Städten ansiehst – die sind 200, 300 Jahre alt und da kann man immer noch drin wohnen. Da sind mal neue Fenster reingekommen, aber das Mauerwerk ist immer noch das gleiche." Dazu komme ein mineralischer Wandaufbau ohne Folien, der aus ihrer Sicht dauerhaft funktioniere. Und wenn mehrere Generationen nacheinander in einem Haus leben sollen, sei der Massivbau bei Weitem bearbeitungsfreundlicher als andere moderne Bausysteme und somit für kommende Generationen leichter veränderbar.

Ein weiterer Punkt, der für alle vier eine wichtige Rolle spielt, ist die starke regionale Verwurzelung – mit rund 50 bis 60 Mitarbeitenden und einem Einzugsgebiet von etwa 30 Kilometern rund um Traunstein. „Was wir auch nachhaltig finden: Unsere ganzen Mitarbeiter kommen aus der direkten Umgebung", ergänzt Hans Hofmeister. Das spricht auch fürs Traditionsbewusstsein, dass die meisten Leute hier vom Ort und der Region kommen. Die kurzen Wege - innerhalb und außerhalb der Firma - ermöglichen nicht nur effizientes Arbeiten, sondern schaffen auch Verbundenheit zur Region und ihren Menschen.

„Länger als ein Leben lang“:

Warum Nachhaltigkeit bei Posch Bau mit Beständigkeit beginnt

Massivbau, der

Und wie sieht es mit der Außenwirkung aus? Die konsequente Verbesserung ist dem Unternehmen nach wie vor sehr wichtig. Seit Jahren verschickt Posch Bau daher nach Abschluss eines Projekts eine Umfrage an die Bauherren – bewusst nicht nur mit einfachen Fragen. „Da sind auch Punkte dabei wie das Preis-Leistungs-Verhältnis – also nichts, wo man nur das hört, was man hören will", beschreibt Bernhard Posch den Ansatz. Für das Unternehmen ist diese Rückmeldung mehr als Formsache: „Das ist schon so ein bisschen unser Steckenpferd geworden."

Die Antworten fallen im Schnitt sehr positiv aus – so positiv, dass selbst der Seniorchef Stefan Posch staunte, als man ihm vor einigen Jahren die Mappe mit den beantworteten Bögen überreichte. Er blätterte sie durch und fragte: „Sammelt ihr da nur die besseren Bewertungen?" Die Antwort: „Nein, da kommen alle rein." Die guten Ergebnisse zahlen sich auch über die Umfrage hinaus aus. Mundpropaganda ist im regionalen Baugeschäft Gold wert. „Wenn man merkt, dass die Leute das schätzen und dir dieses Vertrauen geben, dann freut einen das sehr", sagt Andreas Niederbuchner. „Weil man einfach gemeinsam das so hingebracht hat."

Was einen guten Tag auf der Baustelle ausmacht? „Grundsätzlich schon mal, wenn es ein schöner Tag ist", lacht Florian Sturma. „Das ist auf dem Bau stimmungsmäßig einfach wichtig." Aber auch die sichtbaren Fortschritte motivieren – wenn Bauherren vorbeikommen und staunen, wie schnell ihr Haus wächst. „Die bringen vielleicht Kaffee vorbei, kommen nach der Arbeit – und dann steht eigentlich schon das nächste Stockwerk. Das ist für Außenstehende oft Wahnsinn."

Über 50 Jahre nach der Gründung steht Posch Bau für eine Mischung aus Tradition und Anpassungsfähigkeit. Der Geist des Gründers – pragmatisch, organisiert, bodenständig – prägt das Unternehmen bis heute. Jedes Projekt ist anders, jede Baustelle eine neue Herausforderung. „Wir arbeiten mit Prototypen", sagt Hans Hofmeister. „Serie haben wir selten." Und genau das scheint es zu sein, was die Menschen bei Posch Bau antreibt – die Begeisterung dafür, Träume in Beton, Stein und Mörtel Wirklichkeit werden zu lassen.

„Sammelt ihr da nur die besseren Bewertungen?"

Qualität, die

Zum 55-jährigen Firmenjubiläum

Tag der offenen Tür bei Posch Bau

Am Sonntag, 26. April 2026, lädt Posch Bau ab 10 Uhr nach Nußdorf im Chiemgau ein. Zum 55-jährigen Jubiläum erwartet Besucher ein Fest mit Musik, Verpflegung, Kinderprogramm und Einblicken ins Unternehmen. Kranfahrten und eine Tombola zugunsten regionaler Projekte runden den Tag ab.