Tradition erleben – Das Siegsdorfer Weihnachts G‘fui

Wenn das Jahr sich seinem Ende zuneigt, legt sich eine besondere Stimmung über unseren Alltag. Die Tage werden kürzer, das Tempo darf langsamer werden – und viele von uns spüren das Bedürfnis, innezuhalten. Die Adventszeit bietet dafür den idealen Rahmen: Häuser und Gärten leuchten, in den Fenstern stehen Lichterbögen - alles lädt dazu ein, einen Gang zurückzuschalten. Besonders für Familien ist die Weihnachtszeit eine wunderbare Möglichkeit, gemeinsame Erinnerungen zu schaffen.

So geht es auch Familie Grandauer – Michael, Andrea, ihre Tochter Leonie und Sohn Felix. Im Alltag bleibt normalerweise mit Berufsleben und Schule nicht viel Raum für gemeinsame Zeit. In der Vorweihnachtszeit soll das dieses Jahr anders werden, da sind sich alle einig. Der Plan: den Advent bewusst erleben und gemeinsame Erlebnisse genießen.

Passend zu diesem Vorhaben fällt Michael bei der Arbeit ein Flyer zum Siegsdorfer Weihnachts G‘fui in die Hände. Er überfliegt ihn: Christkindlmarkt, Adventshütte, Dorfadvent, Krippenweg, Böllerschützen. Michael steckt den Flyer ein: “Vielleicht ist das was für uns”, denkt er sich. Beim Abendessen legt er den Flyer auf den Tisch und schiebt ihn zu seiner Frau hinüber. „Schaut mal, das ist doch genau das, worüber wir letztens gesprochen haben: Mehr Familienzeit und schöne Ausflüge.“ Leonie beugt sich neugierig nach vorn und auch Felix’ Interesse ist geweckt. Die Familie liest sich gemeinsam durch die Programmpunkte. Es dauert keine zwei Minuten, bis klar ist: Da ist jede Menge dabei. Jeder hat sofort etwas gefunden, das ihn interessiert.

Person playing trombone at night, with a blurred Christmas tree and lights in the background.

Leonie will zur Eiskönigin, Felix ist begeistert von den Böllerschützen. „Also den Christkindlmarkt in Siegsdorf dürfen wir auf keinen Fall verpassen, der ist gleich am ersten Dezember-Wochenende auf dem Rathausplatz“, sagt Andrea und schiebt den Flyer ein Stück weiter in die Mitte des Tisches. „Um 16 Uhr gehts los.”, liest Michael laut vor. Besonders die feierliche Eröffnung am Freitagabend klingt vielversprechend: Um 18 Uhr wird Bürgermeister Thomas Kamm gemeinsam mit dem Christkindl den Christkindlmarkt dann offiziell eröffnen – begleitet vom traditionellen Anschießen der Wolfsberger- und Eisenärzter Böllerschützen.

„Das ist ein alter Brauch, der gehört bei uns einfach zur Adventszeit dazu“, erklärt Michael dem begeisterten Felix. Leonie interessiert sich derweil mehr für die stimmungsvollen Lichter und die vielen handgemachten Sachen, die es dort geben soll – von Keramik über Schmuck bis zu fair gehandelten Produkten. Und Andrea schwärmt schon jetzt vom Rehgulasch und den gebrannten Mandeln.

„Das klingt nach einem richtig schönen Abend. Da nehmen wir Oma und Opa einfach mit.“ Alle nicken. Der Freitagabend ist gesetzt. „Was ist ein Dorfadvent?“, fragt Leonie gleich darauf. Andrea liest leise ein paar Zeilen aus dem Flyer und erklärt: „Ein kleiner, gemütlicher Christkindlmarkt direkt beim Vereinsheim vom Trachtenverein Eisenärzt – mit Musik, Kinderprogramm, ein paar Ständen und Essen.“ Michael überfliegt den Text weiter. Am Samstag tritt die Jugendkapelle auf, Kinder aus dem Waldkindergarten singen Weihnachtslieder.

A person with long brown hair plays a flute, reading sheet music, with blurry people in the background.
A festive Christmas market scene at dusk with hanging red candle lanterns, people, and illuminated buildings.

Am Sonntag sind die Kleinen vom Gemeindekindergarten dran – und zum Abschluss kommt der Nikolaus vorbei. “Klingt alles toll, solange Papa nicht auch mitsingt”, ruft Leonie aus und alle lachen. “Für die Kinder gibt es an beiden Tagen ein Märchenzelt, in dem immer wieder Geschichten vorgelesen werden.”, fährt Andrea fort. Auch das Angebot an Ständen klingt besonders: Handwerkskunst wie Glasperlenschmuck, Tischgestecke, Brandmalerei – und sogar eine Federkielstickerin und ein Drechsler zeigen ihr Handwerk. Kulinarisch ist ebenfalls für jeden etwas dabei: Bosna, Raclettebrot, Fischsemmeln, frische Waffeln und die selbstgebackenen Plätzchen der Röckifrauen.

„Das klingt doch süß“, meint Andrea. Michael nickt. „Und Parken kann man beim Forellenhof – steht auch drin. Findet übrigens bei jedem Wetter statt.“ Felix schaut fragend in die Runde: „Da könnten wir auch hinschauen, oder?“ – Kein Widerspruch.

Auch den Krippenweg findet Michael interessant. „Der geht den ganzen Advent über – einfach beim Spazieren durch den Ort“, sagt er und tippt auf eine Zeile im Flyer. In den Schaufenstern mitten im Siegsdorfer Ortskern sind Krippen ausgestellt, manche schlicht, andere kunstvoll geschnitzt – und viele davon richtig alt. „Die stammen aus ganz verschiedenen Regionen und Epochen“, liest Andrea vor. „Da könnten wir uns echt ein paar Ideen für unsere eigene Krippe holen“, meint Michael. Leonie überlegt laut: „Vielleicht machen wir das mit Oma – die mag Krippen total."

„Die Böllerschützen!“, ruft Felix begeistert, als er die Zeile entdeckt. Michael nickt. „Die gehören bei uns zur Adventszeit. Beim Christkindlanschießen kündigen sie traditionsgemäß das Kommen des Christkinds an.“ Leonie schaut interessiert auf. „Und an Silvester?“ – „Da verabschieden sie das alte Jahr und begrüßen das neue“, erklärt Michael. „Ein alter Brauch.“ Felix strahlt: „Das will ich unbedingt sehen!“ Und selbst Leonie, die eigentlich mehr für Lichterglanz und Musik schwärmt, nickt leise. „Klingt irgendwie… heimisch“

Als Michael den Flyer schließlich zusammenfaltet und neben den Teller legt, sind sich alle einig: Dieses Jahr wird der Advent nicht einfach vorbeiziehen. Zwischen stimmungsvollen Märkten, alten Bräuchen, Krippen und kleinen Momenten abseits des Trubels wartet in Siegsdorf genau das, was sie gesucht haben: gemeinsame Zeit – ohne viel Aufwand, aber mit umso mehr Gefühl. Wer dem Jahresendstress für ein paar Stunden entfliehen will, findet hier vielleicht genau den richtigen Ort dafür.